Ein Gang durch den Tag und die Woche

In den ersten sieben Jahren ist das Kind noch ganz damit beschäftigt, die Welt und sich selbst kennenzulernen. Es ist die Phase des größten körperlichen Wachstums (mit zwei Jahren hat das Kind die Hälfte seiner endgültigen Körpergröße erreicht.). Für dieses Wachstum und die Reifung seiner Organe braucht das Kind viele Lebenskräfte. Diese Kräfte regenerieren sich in einem rhythmischen Tagesablauf, in dem sich Phasen der Aktivität mit Phasen der Ruhe regelmäßig abwechseln. Feste Tageszeiten für das Essen und Schlafen und eine gewisse gleichbleibende Struktur des Tages geben dem Kind Sicherheit und helfen ihm, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Wenn sich jeden Tag der vertraute Ablauf wiederholt, kann das Kind abends einschlafen in der Gewissheit, dass morgen alles wieder seine Ordnung hat.

So beginnt jeder Tag mit der Begrüßung des Kindes von seiner Erzieherin und der Verabschiedung von den Eltern. Dann hat das Kind die Möglichkeit selbstständig mit den angebotenen freilassenden Spielsachen und den anderen Kindern zu spielen, oder sich einer meist hauswirtschaftlichen Tätigkeit des Erwachsenen zu zuwenden und mitzuhelfen, beim Kochen, Apfelschnitze Schneiden, Hefeteig Kneten, Spielsachen Herstellen oder Reparieren, beim Nähen, Filzen, Blumen Gießen und vielem mehr.

Nach der Freispielzeit werden viele fleißige Hände gebraucht, welche alles wieder an seinen Ort bringen und aufräumen. „Eins, zwei drei, das Spielen ist vorbei, alle Kinder groß und klein, räumen jetzt das Spielzeug ein „so klingt das Lied, welches alle zum gemeinsamen Aufräumen ermuntert.

Nach dieser langen freien Spiel- und Aufräumphase gestaltet jetzt die Erzieherin durch Lieder, Fingerspiele und Bewegungselementen, welche sich an der jeweiligen Jahreszeit orientieren den nächsten Schritt durch den Kindergartentag. Im sogenannten Reigen werden die Abläufe draußen in der Natur und die christlichen Jahresfeste aufgegriffen und in täglich wiederkehrenden Liedern und Sprüchen nachempfunden.

Dann versammeln sich alle zum gemeinsamen Frühstück, welches jeden Tag von den Erwachsenen und freiwilligen Helfern frisch zubereitet wird.
Durch das gesunde, mit vollwertigen Biolebensmitteln hergestellte Frühstück gestärkt, können die Kinder draußen in unserem Hof und Garten ihre zweite Freispielphase verbringen. Zwei oder drei der Kinder bleiben drinnen und helfen beim Abwasch und Tisch abräumen mit.

Zum Abschluss des Kindergartentages versammelt sich die Gruppe noch einmal um den Jahreszeitentisch, um dort eine Geschichte, ein Märchen zu hören oder ein Puppenspiel anzuschauen. Auch dieser Erzählstoff wird über mehrere Tage wiederholt; nur so können die Kinder tief in die Urbilder und Gesten der Erzählungen eintauchen. Die Kinder lieben die Wiederholung der bekannten Geschichten und Lieder.

Während der Abholzeit werden je nach Jahreszeit und Situation drinnen oder draußen noch Kreisspiele gespielt oder der Tag klingt beim freien Spiel im Garten/Hof aus, bis alle Kinder verabschiedet wurden und der Kindergartentag endet.

In dem hier Beschriebenen wird deutlich, dass wir auf einen geregelten Tagesablauf achten, in dem das Kind zwischen aktiven, freien und eher passiven, gestalteten Zeiten wechselt. Jeder Tag im Waldorfkindergarten gliedert sich in Zeiten, in denen die Kinder ganz aus ihren eigenen Kräften tätig sind – Freispiel drinnen und draußen – und Zeiten, in denen sie durch die Kindergärtnerin konkret angeregt werden – im Reigen und im Märchenkreis. So findet ein Atmungsvorgang statt: Einatmen, also Phasen des Innehaltens, Aufnehmens wechseln mit Ausatmen, Phasen des Ausströmens, nach außen Agierens ab. Jeder Tag bekommt so seinen Rhythmus.

Zusätzlich erleben die Kinder in unserem Waldorfkindergarten
auch eine Strukturierung der Woche durch eine spezielle Prägung der einzelnen Wochentage. So hat jeder Tag sein festes, gemeinsam zubereitetes Frühstück und bestimmte Tätigkeiten. Der Montag ist zum Beispiel unser Hirse und Aquarellmaltag, am Dienstag bringen die Kinder Rucksack mit Vesper mit und es geht in den Wald oder auf einen der Spielplätze in der Umgebung und am Donnerstag ist Backtag.

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