Grundsätzliches

Die Grundlage jeder Erziehung ist das zugrundeliegende Menschenbild. Dabei ist es einerlei, ob dies bewusst oder unbewusst passiert. Die Art und Weise, wie ich den Menschen betrachte wird verantwortlich dafür sein, wie ich ihn erziehe.

Das Menschenbild der Waldorfpädagogik sieht den Mensch als ein Wesen an, welches Bürger zweier Welten ist. Mit seinem physischen Leib unterliegt er den Gesetzen der Physik und der Chemie. Darüber hinaus hat er aber durch seine Persönlichkeit, durch sein Fühlen und Denken  Anteil am Seelisch -Geistigen. Die Waldorfpädagogik beschreibt nun sehr differenziert das Zusammenspiel dieser beiden Ströme gerade auch in der zeitlichen Dynamik. So entsteht vor uns ein Gesamtbild der menschlichen Entwicklung weit über das Kindergartenalter hinaus, welches  uns instand setzen kann  aus der Einsicht in eben diese Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge die jeweilig dem Alter entsprechenden pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten zu ergreifen.  Ein großes, aktuelles Aufgabenfeld sieht die Waldorfpädagogik zum Beispiel darin, grade das kleine Kind vor einem „zu früh“, „zu schnell“ und „zu viel“ zu schützen und ihm einen Entwicklungsraum zu bieten, der sich nach seinen Bedürfnissen und Rhythmen ausrichtet. Wichtig dabei ist auch der Gedanke, dass  der Mensch eine Bestimmung in diese Welt mit  hineinbringt. Wir sind keine unbeschriebenen Blätter, sondern jeder Mensch bringt sein ganz Eigenes, Unverwechselbares, seine ganz  individuellen, tiefen Sehnsüchte, Ideale und Ziele mit auf die Erde. Es ist eine grundlegende Aufgabe der Waldorfpädagogik dem Kinde ein Helfer und Begleiter zu sein, diese ureigensten in seinem Wesen liegenden Ideale und Ziele in dieser Welt ergreifen zu können.

Diese Pädagogik fußt in einer intimen und subtilen Beobachtung des heranwachsenden Menschen, auch in den Bereichen des seelisch geistigen Wachsens. Was die Waldorfpädagogik beschreibt, soll nicht geglaubt, sondern erfahren werden. Nicht belehren sondern sensibilisieren will sie! Kein abstraktes Wissen wird praktiziert, keine Lehrsätze aufgestellt, sondern durch erlebende Beobachtung kann man Sicherheit gewinnen, wie mit Kindern in einer bestimmten Situation umzugehen ist. Die Beschäftigung mit der Waldorfpädagogik soll zur Fähigkeit werden, in einer Situation instinktiv richtig handeln zu können und nicht zu fragen, was denn in den Lehrbüchern steht. Das setzt eine zurückhaltende, abwartende, aufmerksame und dem Kind liebevoll zugewandte Haltung voraus, denn nur dann kann sich das innerste Wesen des Kindes zeigen. So lautet ein wichtiges Grundmotiv der Waldorfpädagogik: „ Erziehung ist Selbsterziehung“. Waldorfpädagogik ist Gesinnungspädagogik. Mit welchem Blick schaue ich das einzelne Kind an? Wie ist meine innere Haltung ihm gegenüber aber auch gegenüber den Eltern und Kolleginnen? Wie schaffe ich es jeden Tag neu und offen den Kindern zu begegnen? Bin ich bereit an meiner Persönlichkeitsentwicklung weiter zu arbeiten? Was und wo sind meine Kraftquellen? All diese Fragen sind wichtiger  Bestandteil in der Aus- und Fortbildung von Waldorfpädagogen.

Alle Waldorfpädagogikeinrichtungen tragen ein hohes Ideal  mit sich; sie wollen dass sie ein Ort sind, wo sich die Menschen, ob groß oder klein, alt oder jung  geistesgegenwärtig begegnen und sich aneinander und  miteinander weiter entwickeln zu immer freieren und liebefähigeren Menschen.

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