Die historischen Grundlagen der Waldorfpädagogik
Die Begründung der Waldorfpädagogik mit der ersten Waldorfschule in Stuttgart im Jahre 1919 fällt historisch in eine sehr turbulente Zeit.
Das Stuttgart der Jahre 1918/19 ist geprägt durch das Ende des Ersten Weltkriegs und die damit zusammenhängenden chaotischen Zustände. Die Matrosenaufstände im 700 km weit entfernten Kiel beenden den ersten Weltkrieg und greifen sehr schnell nach Gesamtdeutschland über. Die politischen Strukturen des wilhelminischen Kaiserreichs zerfallen, der Kaiser geht ins Exil, die Militärs fordern von der Politik einen sofortigen Frieden, um hinterher in der Dolchstoßlegende zu erklären, dass das Militär von der Politik verraten wurde.
In Stuttgart selber herrschte eine angespannte und explosive Lage: nach der Inhaftierung radikaler Arbeiter der Daimler Automobilwerke wurde auf dem Schlossplatz die Republik ausgerufen und der König abgesetzt. Es wurde eine provisorische württembergische Regierung mit dem Ministerpräsidenten Wilhelm Blos eingesetzt, „die Massen strömte mit wildem Geschrei durch Straßen und schwenkte rote Fahnen“ (Hans Kühn: Dreigliederungszeit Seite 23). Zurückkehrende Truppenteile und Soldaten, die nicht ordnungsgemäß in die Kasernen einrückten, durchmischten sich mit Arbeiterräten, Sozialisten Spartakisten und Kommunisten.
Aber es sind gerade die Zeiten, in denen die fest gefügten Zustände sich auflösen, in denen neue Sozialordnungen greifen können. Schon im Jahre 1917 hatte Rudolf Steiner mit einem Memorandum an den österreichischen Kaiser seine Idee der sozialen Dreigliederung dargelegt, und versucht Impulse für eine Nachkriegsordnung zu geben. Immerhin schafft es dieses Memorandum bis in das Vorzimmer des Kaisers, wurde von diesem selber aber nie gelesen.
Im Oktober des Jahres 1918 hielt Rudolf Steiner in Zürich und Dornach Vorträge über geschichtliche Symptomatologie, und diese Vorträge waren es, die die anthroposophischen Freunde in Stuttgart dazu bewogen haben, sich für die Verbreitung dieser Ideen zur Verfügung zu stellen. So wurde in diesen turbulenten und nicht ungefährlichen Verhältnisse im Jahre 1919 in Stuttgart der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus gegründet, der für eine neue Gesellschaftsordnung im Sinne dieser Idee sich einsetzte. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass es nicht Rudolf Steiner selber war, der die Initiativen begründete, sondern Menschen die durch seine Vorträge zum Handeln angeregt wurden. Für Stuttgart sind hier zu erwähnen Carl Unger; Roman Bos; Hans Kühn; und nicht zuletzt Emil Molt, dem Besitzer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, der die Gründung einer Einheitsschule für seine Mitarbeiter als Teil der Umsetzung der sozialen Dreigliederung verstand. Er war es, der 450.000 DM für den Kauf des Grundstücks auf der Uhlandshöhe aus seinem privaten Vermögen bereitstellte, bei einem durchschnittlichen Jahreslohn von 2100 Papiermark im Jahre 1919.
Der Gründung der Waldorfschule und damit der Waldorfpädagogik liegt also die Bestrebung eines größeren Kulturimpulses zugrunde, als deren Teil sie sich verstand. Das Engagement und der Einsatz der Menschen waren extrem hoch und bewundernswert. Der Impuls der Dreigliederung scheiterte damals, die Gründe sind vielfältig: mangelndes Verständnis sowie das Verhaften in alten Denk und Kaderstrukturen in allen politischen Lagern waren wohl die Hauptgründe. Was blieb waren die Kulturinitiativen, von denen eine die Waldorfpädagogik war, die bis heute noch existiert und weltweit immer mehr Verbreitung findet. So gibt es heute 1100 Waldorfschulen und knapp 2000 Waldorfkindergärten in rund 80 Ländern der Erde.
Telefonische Erreichbarkeit
Montag bis Donnerstag
7:00 - 08:00 Uhr
14:00 - 15:30 Uhr
Telefon
+49 (0)7821 / 989643
waldorfkindergarten-lahr@gmx.de
Adresse
Waldorfkindergarten Christophorus
Werderstraße 16
77933 Lahr